Luka und die wilden Tiere: Die Geschichte hinter einer modernen Fabel

Von Stefan Stuhlsatz, Herausgeber

Ein Junge sucht nach einer Welt, von der sein Großvater erzählt hat. Er findet sprechende Tiere – und gerät mitten in einen Streit über Gerechtigkeit, Vergeltung und Mitgefühl.

„Luka und die wilden Tiere“ von Raymond Yerima beginnt als Reise ins Unbekannte. Doch hinter dem Abenteuer stehen Fragen, die weit über den geheimnisvollen Wald hinausreichen. Auch der Lebensweg des Autors eröffnet einen besonderen Zugang zu dieser Geschichte.

Von Benin zur deutschen Literatur

Raymond Yerima wurde 1990 in Guilmaro geboren, einem Dorf im Norden Benins. Für den Besuch des Gymnasiums zog er nach Kouandé und lebte dort in einem von Priestern geleiteten Internat.

In dessen Bibliothek entdeckte er seine Leidenschaft für Bücher. Romane, fantastische Geschichten und historische Werke eröffneten ihm neue Welten. Aus dem begeisterten Leser wurde später ein Autor, der eigene Geschichten erzählen wollte.

Sein Interesse führte ihn zum Germanistikstudium an der Université d’Abomey-Calavi. Stipendien ermöglichten ihm einen Sprachkurs in Frankfurt am Main und später einen Forschungsaufenthalt an der Bergischen Universität Wuppertal. Dort beschäftigte er sich im Rahmen seiner Abschlussarbeit mit neuerer deutscher Literatur.

Deutsch wurde für Raymond damit auch zu einer Sprache des eigenen literarischen Ausdrucks.

Persönliche Anliegen werden zu einer Geschichte

In der Autorenbiografie beschreibt Raymond, welchen Stellenwert Umwelt- und Tierschutz sowie die Unterstützung benachteiligter Kinder für ihn haben. Er berichtet auch davon, wie wichtig Förderung und Hilfe auf seinem eigenen Bildungsweg waren.

Wann genau daraus die erste Idee zu „Luka und die wilden Tiere“ entstand, erzählt die Biografie nicht. Im Buch begegnen uns jedoch Anliegen, die dazu passen: der Schutz verletzlicher Lebewesen, die Folgen von Gewalt und die Möglichkeit, durch neue Erfahrungen anders auf die Welt zu schauen.

Raymond gibt diesen Fragen eine erzählerische Gestalt. Tiere können sprechen, miteinander beraten und Regeln für ihr Zusammenleben aufstellen. Dadurch erhalten diejenigen eine Stimme, über deren Leben gewöhnlich Menschen entscheiden.

Lukas Suche beginnt mit einem Verlust

Der neunjährige Luka verliert seinen Großvater. Mit ihm verbindet ihn die Erinnerung an Geschichten und Legenden – besonders an eine verborgene Tierkolonie hinter dem Lenneper Wald.

Luka möchte herausfinden, ob dieser Ort wirklich existiert. Seine Suche hält zugleich etwas von der Verbindung zu seinem Großvater lebendig.

Dabei ist Luka kein makelloser Held. Zu Beginn geht er selbst rücksichtslos mit Tieren um. Gerade deshalb hat seine Begegnung mit der Tiergesellschaft Gewicht: Er muss eine Sichtweise kennenlernen, die ihm bisher fremd war.

Plötzlich ist er derjenige, über dessen Freiheit andere entscheiden.

Zwischen Vergeltung und Verständigung

Die Tiere haben unter Menschen gelitten. Ihre Erfahrungen haben Angst, Misstrauen und Zorn hinterlassen. Über den richtigen Umgang damit sind sie sich uneinig.

Einige verlangen Vergeltung. Andere wollen einen Weg zu Verständigung und friedlichem Zusammenleben finden. Luka gerät zwischen diese Überzeugungen und muss erkennen, dass seine Entdeckung auch gefährlich ist.

Eine wichtige Rolle spielt der Igel Yarigo. Er setzt darauf, dass Lernen und persönliche Veränderung einen Ausweg eröffnen können. Damit stellt die Geschichte eine anspruchsvolle Frage: Wie lässt sich Unrecht überwinden, ohne neues Unrecht zu schaffen?

Die Tierwelt wird zum Spiegel menschlicher Konflikte. Wer darf urteilen? Welche Verantwortung trägt der Einzelne? Und was geschieht, wenn wir in einem Gegenüber nur noch den Angehörigen einer feindlichen Gruppe sehen?

Raymonds eigene Erzählstimme

Als Herausgeber habe ich die Veröffentlichung dieses Buches begleitet. Bei der Zusammenarbeit gehört für mich auch dazu, die Eigenständigkeit des Autors ernst zu nehmen.

Der Lektor, der das Manuskript damals begleitete, hob Raymonds Sprachstil als lesenswert hervor. Seine Erzählweise nimmt sich Zeit für Bilder, Beschreibungen und Gespräche. Sie lädt dazu ein, sich auf ihren Rhythmus einzulassen.

Die aktuelle Ausgabe von 2026 trägt den Untertitel „Eine moderne Fabel über Macht, Moral und Verantwortung“. Er macht sichtbar, welche Fragen in Lukas Abenteuer stecken.


Eine Lektüre, über die man sprechen kann

Die aktuelle Ausgabe wird bei Amazon für ein Lesealter von zwölf bis achtzehn Jahren angegeben. Auch Erwachsene können in ihr Anknüpfungspunkte finden – besonders, wenn sie sich für Tierethik, Verantwortung und den Umgang mit Konflikten interessieren.

Die Geschichte enthält Verlust, Gefangenschaft und deutliche Gewaltandrohungen. Das gemeinsame Lesen oder ein anschließendes Gespräch kann deshalb ein guter Zugang sein.

Vielleicht beginnt dieses Gespräch mit einer einfachen Frage: Was verändert sich, wenn wir die Welt einmal aus der Sicht derjenigen betrachten, über die wir sonst entscheiden?

Hier kannst du „Luka und die wilden Tiere“ und die Leseprobe entdecken:

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Werbung in eigener Sache: Ich bin Herausgeber des Buches.

Grundlage für die biografischen Angaben ist die Autorenbiografie im Buch.

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